Ehre sei dem Blute Jesu - In laetitia!


Vorgeschichte

Aufhausen gilt als eine der ältesten Siedlungen im südlichen Landkreis Regensburg. Spuren menschlicher Besiedlung lassen sich anhand von Fundstücken aus der Umgebung bis in die jüngere Steinzeit nachweisen. Bereits im Jahre 769 wird "Ufhusia" urkundlich erwähnt. Während es am Anfang nur eine Kapelle für die jeweiligen Herren von Aufhausen gab, bestand ab 1267 eine eigene Pfarrei, die bis zur Säkularisation (1813) der Verwaltung des Klosters St. Emmeram unterstand.

Die Entstehung der Wallfahrt in Aufhausen ist eng mit der Persönlichkeit von Pfarrer Johann Georg Seidenbusch (1667-1729) verbunden, der hier über 60 Jahre lang als Pfarrer wirkte.

Wer war Johann Georg Seidenbusch?

Geboren 1641 in München, erlebte Johann Georg als Kind und Jugendlicher die Not des 30-jährigen Krieges und die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit. Er besuchte das Jesuiten-Kolleg und zeichnete sich besonders durch seine künstlerischen Fähigkeiten aus (Musik und Malerei). Tief in seinem Herzen war eine große Marienliebe verankert. Da die Dekorationen Johann Georgs zum Besuch Kaiser Leopolds in München großen Gefallen gefunden hatten, durfte er sich etwas zur Belohnung wünschen. Er wählte die auf dem Dachboden des Kollegs abgestellte Marienfigur aus dem Studentensaal, die inzwischen durch eine neue, größere ersetzt worden war. Johann Georg bekam dieses vom Bayrischen Herzog Wilhelm V. um das Jahr 1580 gestiftete "Marianische Bildnis", das ihn nun sein ganzes Leben begleiten sollte.

Pfarrer in Aufhausen

Als Seidenbusch nach seiner Priesterweihe nicht sofort eine feste Seelsorgstelle bekam, half er vorübergehend einem der bedeutendsten Maler seiner Zeit, dem berühmten Sandrart. Er hatte vor allem für das Kloster St. Emmeram Bilder zu restaurieren. Der Meister war so zufrieden mit ihm, dass er ihn in seine Schule einlud, um dort zu einem bedeutenden Künstler ausgebildet zu werden. Der Neu-Priester schlug aber das verlockende Angebot aus: Er wolle nicht alte Bilder restaurieren, sondern vor allem mit dem "Pinsel des Wortes Gottes" die verunstalteten Seelen der Menschen erneuern. Nun wurde ihm als Belohnung eine reich begüterte Pfarrei der Abtei angeboten. Wiederum war der fromme Priester nicht einverstanden. Er wollte nicht Verwalter von Pfründen werden, sondern für das Reich Gottes arbeiten. So bekam er die ärmere Pfarrei Aufhausen, die er bis zu seinem Tod betreute.

Beginn der Wallfahrt

Eine der ersten Maßnahmen Pfarrer Seidenbuschs waren die täglichen marianischen Abendandachten – zunächst für die Angehörigen des Pfarrhauses, dann mit der Nachbarschaft und schließlich für Pilger von Nah und Fern. Als Andachtsraum diente zunächst eine Art Bretterverschlag. Als aber durch Gebetserhörungen immer mehr Beter angezogen wurden, mussten auch immer größere Andachtsräume entstehen. Am 10. Dezember 1668 übertrug der Pfarrer seine Madonna in die Muttergotteskapelle. Damit beginnt die öffentliche Verehrung des Gnadenbildes und damit die Wallfahrt in Aufhausen.

Maria - Schnee

Als Pfarrer Seidenbusch für seine Wallfahrtskirche einen entsprechenden Titel suchte, der auch als Patrozinium würdig gefeiert werden konnte, wählte er „Maria Schnee“, in Anlehnung an das Fest, das in Rom am 5. August gefeiert wurde. Es besteht zu diesem keine historische Verbindung, aber dieses Fest, das nun in Aufhausen jeweils am 1. Sonntag im August gefeiert werden sollte, hat eine symbolische Bedeutung und Aussagekraft: Seidenbusch, der ein besonderer Verehrer der „Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ war, sah im Schnee ein Zeichen der Reinheit und Makellosigkeit der Mutter Jesu. So holte er gleichsam das Fest vom 8. Dezember, dessen Termin nicht so gut für die Feier eines Patroziniums geeignet war, in den besser passenden August.

Betreuer der Wallfahrt

Pfarrer Seidenbusch merkte sehr bald, dass die Betreuung der Pfarrei, zusammen mit der Pilgerseelsorge, für einen einzigen Priester zu viel war. Er suchte eine geeignete Gemeinschaft von Diözesanpriestern und wurde auf das Oratorium des hl. Philipp Neri aufmerksam gemacht. Er trat bei einem längeren Rom-Aufenthalt selber in diese Gemeinschaft der „Nerianer“ ein (1675) und führte in Aufhausen dieses Institut, als das Erste nördlich der Alpen, ein. Später gründete er auch in Wien und München solche Nerianer-Oratorien.

Im Jahre 1886 starb der letzte Priester des ursprünglichen Instituts, Pfarrer Jakob Sellmayr. Die Benediktinerabtei Metten übernahm am 15. Oktober 1890 die Verwaltung der Pfarrei und des so genannten „Nerianerinstitutes“ also des Patrimoniums des Oratoriums. Als, nach fast 100 Jahren, die Benediktiner aus Personalmangel 1978 wieder abgezogen wurden, ist die Seelsorge der Pfarrei sowie die Verwaltung des „Nerianerinstitutes“ den Priestern der Diözese Regensburg übergeben worden. Am 1. September 2006 übernahm die Gemeinschaft der „Brüder vom Heiligen Blut“ die Seelsorge der Pfarrei und Wallfahrt Maria Schnee. Mit Zustimmung des Bischofs von Regensburg, Dr. Gerhard Ludwig Müller, wurde diese Gemeinschaft durch den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. in die „Kongregation des Oratoriums des Hl. Philipp Neri in Aufhausen“ umgewandelt. So lebte das ursprünglich von Johann Georg Seidenbusch gründete Oratorium wieder auf.

Im Zeichen des Blutes Christi

Es scheint zunächst zufällig zu sein, dass eine Gemeinschaft, die besonders dem Geheimnis des Erlöserblutes geweiht ist, ein Marien-Heiligtum betreut. Ein Zitat des Propheten Isaja zeigt aber eine tiefe Verbindung auf: Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. (Jes 1,18). Es ist ja die besondere Aufgabe der "Oratorianer vom Heiligen Blut", den Menschen wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie sehr uns Gott liebt: Er hat zu unserer Rettung seinen eigenen Sohn geopfert, dessen Blut die Quelle der Reinheit und Heiligkeit für alle ist.

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