Ehre sei dem Blute Jesu - In laetitia!


Die Kirche ist in vier Teile gegliedert: Vorhalle, Zentralraum, Chor und Turm. Die Gesamtlänge beträgt 35 m, die Breite 22 m. Ein unbekannter Kenner und Bewunderer der Kirche schrieb im Altöttinger Liebfrauenboten über den Innenraum: „Die Mauern sind nur da, um gleichsam die Gesetze des Maßes zu tragen. Sie begrenzen nicht den Raum, sie geben ihm Form! Die steinerne Wucht ist in heitere Grazie aufgelöst (…). Nichts als der Raum war ihm wichtig, dem Meister von Aufhausen. Alle Bau­elemente, die er mit wissender Hand schuf und meisterlich gruppierte, die Kuppeln und Wöl­bun­gen, die kühnen Bögen, die Pfeiler und Nischen – alles dient dem Raum.“

Die Vorhalle

Vorhale des Heiligtums hat die Form eines ovalen Rechteckes. In den vier Seiten-Nischen wird durch die Allegorie des Mondes die Bedeutung „Unserer Lieben Frau von Aufhausen“, durch die „vier Herrlichkeiten Mariens“ dargestellt:

  • Der Vollmond (clarissima post solem) betont, dass Maria die Herrlichste
    ist nach der Sonne (Christus), sie ist die „Wunderbare Mutter“ (prima post Deum).
  • Wie der Mond oft die dunkle Wolkendecke durch­bricht, erhellt Maria durch ihren Sohn das Dun­kel der Sünde (depelltit tenebras). Darum ist sie die „Zuf­lucht der Sünder“(propitia poeniten­tibus).
  • Wie der Mond (aus der Sicht der Menschen) sich schneller bewegt als alle anderen Himmels­körper (velocior reliquis), steht auch Maria schneller jenen bei, die sie vertrauensvoll um Hilfe anrufen. Darum ist sie die „Hilfe der Christen“ (velox ad auxilium).
  • Wie der Mond als Himmelsgestirn der Erde am nächsten ist, so ist Maria, die Gottesmutter, auch den Men­schen am nächsten (proxima terrae). Darum wird sie auch als „Trösterin der Betrübten“ (benefica in cul­to­res) verehrt.

Das Deckengemälde zeigt Abraham, den Vater der Glaubenden, im Moment seiner größten Glaubens­prüfung: Er sollte Gott seinen Sohn Isaak opfern – wur­de aber vom Engel daran gehin­dert, als er seine Be­reitschaft zum Gehor­sam gezeigt hatte. Unter diesem Bild treten die Wallfahrer in das Heiligtum ein, um mit der Hilfe Mariens ihren Glauben und ihre Opfer­bereit­schaft zu erneuern und zu stärken.

Geradeaus sehen wir in eine erste Seitenkapelle. Den Altar aus der Spätrenaissance schmückt ein Bild der Armen Seelen im Fegfeuer. Davor ist ein Missions­kreuz zu sehen mit der Mahnung: „Rette deine Seele“. Die Pestheiligen Rochus und Carl Borromäus flan­kieren das Kreuz, das unter dem Korpus auch Maria als die Schmer­zens­mutter zeigt. Neuerdings ist hier auch einBild vom Barmherzigen Jesus zu sehen – ein­gerahmt vom hl. Pater Pio und der hl. Schwester Faustina. Gegenüber steht eine Statue vom „Un­be­fleck­ten Herzen Mariens“ – das ganze Jahr über be­schenkt mit vielen Blumen.

Das Hauptschiff mit Seiten-Altären

Aus der verhältnismäßig niedrigen Vorhalle treten wir nun in das hohe und helle Hauptschiff. Durch die Anordnung der acht Doppelpfeiler entstehen vier kleine Eckkapellen und zwei große Seitenaltäre. Die hinteren Eckkapellen sind dem hl. Carl Borromäus (links) und dem hl. Franz von Sales (rechts) gewidmet. Die großen Seiten-Altäre zeigen rechts den hl. Josef und über dem Tabernakel den hl. Apostel Judas Taddäus, der ein Bild Jesu in der Hand hat. So wird daran erinnert, dass er ein Verwandter Jesu war und ihm darum auch ganz ähnlich war. Der große Seitenaltar gegenüber zeigt den Gründer der Nerianer-Gemeinschaft, den hl. Philipp Neri und über dem Tabernakel ein Herz-Jesu-Bild. Das Tafelbild in der vorderen Seitenkapelle rechts stellt wiederum den hl. Phillip Neri dar, diesesmal in der himmlischen Glorie als Patron der Sterbenden und der Armen Seelen. Über dem Schrein des Martyrers St. Viktor befindet sich ein tabernakelförmiger Aufsatz mit der Toten­maske des hl. Philipp Neri. Die Eckkapelle links wird die Marienkapelle genannt. In ihr sehen wir das be­deu­­tendste Kunstwerk der Kirche – „Maria in der Säulenhalle“. Das Bild wurde nach einer Zeich­nung Albrecht Dürers um das Jahr 1515 von Jörg Breu in der Augsburger Schule gemalt. Im Reliquien­schrein befinden sich die Gebeine des Märtyrers St. Johannes, des Bruders von St. Viktor.

Der Kreuzweg ist das Werk des Lands­huter Malers Georg Vischer. Er wurde 1740 vollendet. Die Kanzel stammt aus der Re­nais­sance. Sie zeigt die vier Evangelisten und auf dem Schalldeckel den hl. Augustinus. Die Pietà-Gruppe (Vesperbild) gegen­über der Kanzel stammt aus der Mitte des 18. Jahr­hunderts. Die acht den Raum gestaltenden Doppel­pfeiler tragen die mächtige Kuppel des Hauptschiffes. Das große Kuppelgemälde schildert die Vision eines Patri­ziers Johannes in der Zeit des Papstes Liberius (352 – 366). Diese hat nach der Legende den Bau der Kirche „Maria ad Nives“ (Maria zum Schnee) in Rom veranlasst. Die Kirche sollte an jener Stelle auf dem Esquilin-Hügel stehen, wo mitten in der Hitze des Augusts Schnee gefallen war. So ent­stand die größte und bedeutendste Marienkirche in Rom, die heute „Maria Maggiore“ genannt wird. Am Gewölbe der vier Eckkapellen sind die vier großen Kirchenväter dargestellt. Vier Anrufun­gen aus der Lau­re­tanischen Litanei erinnern an die vier Herrlich­keiten Mariens aus der Vorhalle.

Hochaltar mit Gnadenbild

Der Hochaltar enthält in einem ovalen Glas­schrein das Gnadenbild Unserer Lieben Frau vom Schnee. Die Figur ist auf einer silbernen Wolke schwebend dargestellt. Vom Gnadenbild breiten sich goldene Strah­len über den ganzen Altar aus. Über dem Glass­chrein schwebt eine von Engeln gehaltene Krone. Sie unterstreicht die königliche Würde Mariens. Die In­schrift auf dem Schild über dem Baldachin weist auf das wundertätige Gnadenbild hin:

O Maria, genannt zum Schnee,
wend ab von uns all Ach und Weh
und uns in letzter Not beisteh!

Das Freskengemälde in der Apsis krönt, durch die Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit, den Altar: Gott-Vater im Himmel, Gott-Sohn am Kreuz, Gott-Heiliger-Geist, durch eine Taube angedeutet. Die sie­ben kleinen Silberwolken deuten auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes hin. Die beiden großen Seitenfiguren des Altares stellen Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten dar. Im Fuß des Altares sind die Gebeine des Hl. Desiderius auf­be­wahrt. Pfarrer Seidenbusch hat sie 1695 zusammen mit den Reliquien des Hl. Viktor und des Hl. Johannes für seine Wallfahrtskirche bekommen.

Die linke Seite des Chores schmücken 12 Wand­gemälde, die die Geschichte des Gnadenbildes darstellen, von Empfang der Statue durch den jungen Schü­ler Seidenbusch, bis hin zur Weihe der ersten Wall­fahrts­kirche.

Das Deckengemälde im Chor zeigt den hl. Philipp Neri in der himmlischen Glorie, mit einem Rosenkranz zu Füßen der Gottesmutter. In dieser Darstellung wird noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig für das 1675 in Aufhausen gegründete Nerianer-Oratorium das Vorbild des Gründers war. Wie sehr Seidenbusch selber den Rosenkranz schätzte, kommt darin zum Aus­druck, dass er schon 1676 im „Marianischen Haus“ die Rosenkranzbruderschaft einführte. Auf seinem Selbst­bildnis, das in der Sakristei zu sehen ist, stellt er sich dar mit einem Kreuz und dem Rosenkranz.

Die Grabdenkmäler im Chorraum erinnern an beson­dere Wohltäter der Wallfahrtskirche.  An der West­seite neben dem Eingang zur Sakristei befindet sich das Grab von Johann Georg Seidenbusch, der am 10. Dezember 1729 starb. Ursprünglich war es an der Türe der ersten Wallfahrtskirche, denn Seidenbusch wollte, dass er von allen Kirchebesuchern „mit Füßen getre­ten“ werde.

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